
Das „Ja“ klingt noch in der Luft, ihr haltet euch nach dem ersten Kuss als Ehepaar an den Händen, da löst sich um euch herum etwas: die Anspannung der Trauung weicht einem Jubel. Eure Gäste stehen auf, klatschen, jetzt will jeder zu euch kommen und gratulieren. Bei Standesämtern wird es oft wild, alle kommen auf euch zugestürzt. Will man das Chaos der glücklichen Menschen in Bahnen lenken, kann man das nur verhindern, in dem man eine Ansage macht, vorher, über den Trauzeugen oder den Standesbeamten. Man kann im Chaos schwelgen oder die Beglückwünschung nach draußen verlegen, nach einem gemeinsamen Auszug durch ein Spalier der Gäste. Wenn ihr das wollt – ansagen, sonst sind alle außer Rand und Band und das kann man ihnen auch nicht verübeln.
Egal wo, es wird gedrückt, gratuliert, es fallen warmherzige oder neckende Worte, die eine oder andere Träne, weil sich einfach jeder so für euch freut.
Für mich beginnt hier eines der anstrengendsten und gleichzeitig auch schönsten Kapitel eures Hochzeitstages. Denn was jetzt passiert, lässt sich nicht wiederholen und nicht stellen: echte Freude, roh und ungefiltert, direkt von den Menschen, denen ihr am Herzen liegt. Alles geht schnell und ich möchte jeden eurer Gäste mit jedem von euch beiden drauf haben, am Besten strahlend, weinend, glücklich.
Die Gratulation nach der Trauung ist mehr als eine höfliche Geste zwischendurch. Für viele eurer Gäste ist es der einzige Moment an diesem Tag, in dem sie euch ganz kurz für sich haben. Ein paar Sekunden, ein Satz, eine Umarmung, bevor die nächste Person an der Reihe ist. Genau in dieser Kürze liegt die Ehrlichkeit: Niemand überlegt sich hier lange, was er sagen will. Es kommt einfach heraus und ist damit genau das, was gerade gefühlt wird.
Ich beobachte dabei immer wieder dieselben kleinen Szenen, die sich trotzdem jedes Mal anders anfühlen. Die beste Freundin, die euch minutenlang nicht loslässt. Der Opa, der etwas steif wirkt, bis ihm beim Umarmen die Tränen kommen. Kinder, die zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch flitzen, weil sie unbedingt auch drankommen wollen, oder sich hinter den Beinen der Eltern verstecken, weil ihnen das alles unheimlich ist. Jede dieser Begegnungen ist kurz, aber keine ist austauschbar.

Ein Tipp aus vielen begleiteten Hochzeiten: Bleibt in dieser Zeit dicht beieinander. Es passiert schnell, dass die Menge euch auseinander drängt, jemand kann es nicht abwarten und drängt an der Braut vorbei zum Bräutigam, der nächste weiß jetzt nicht wohin mit sich, der Drängler wechselt die Seiten, es entsteht ein wachsendes Chaos, was euch unweigerlich räumlich trennt. Das ist von niemandem böse gemeint, aber es raubt euch genau die Bilder, die diesen Moment ausmachen: euch beide, gemeinsam, mit jedem einzelnen Gast, während die Glückwünsche ausgesprochen werden.
Wie schon gesagt, bin ich bemüht, jeden eurer Gäste mit jedem von euch festzuhalten, am besten nicht getrennt, sondern als das Paar, das ihr jetzt seid. Wenn ihr selbst darauf achtet, nah beieinander zu bleiben und euch nicht von der Menge auseinander treiben zu lassen, wird mir diese Aufgabe deutlich leichter, und euch bleiben genau die Bilder, die ihr euch wünscht.
Während der Gratulation stelle ich mich meist bewusst hinter oder leicht seitlich von euch auf. Von dort sehe ich, was ihr in diesem Moment auch wahrnehmen könnt: die Emotionen in den Gesichtern eurer Gäste, kurz bevor sie euch erreichen: die Vorfreude im Blick, das Lächeln, das breiter wird, die ausgestreckten Arme für ein herzliches Drücken. Das sind die Gesten, an die ihr euch sofort wieder erinnern könnt, wenn ihr die Bildergalerie durchseht.
Manchmal bitte ich euch, euch für besseres Licht ein paar Schritte zu bewegen, gerade wenn die Sonne hoch steht oder ihr im Schatten eines Gebäudes steht. Das mache ich möglichst unauffällig, damit der Fluss der Gratulation dabei nicht abreißt. Auch wenn ich mich zwischendurch neu positioniere: Ich dränge mich nie zwischen euch und eure Gäste. Diese Nähe gehört euch.


Die Gratulation findet oft direkt vor dem Ort eurer Trauung statt, vor dem Standesamt, der Kirche oder eurer freien Location. Genau dort entstehen auch viele der Bilder, die man sich unter einer klassischen Hochzeitsreportage vorstellt: der Auszug, das Spalier, die ersten Umarmungen im Freien. Bei einer großen Gesellschaft empfiehlt es sich, einen kleinen Sektempfang vorzubereiten, damit eure Gäste nicht nur in einer Schlange stehen, sondern auch etwas zu trinken in den Händen halten, denn die Wartezeit kann dann durchaus erheblich sein.
Spielt das Wetter nicht mit, lohnt es sich, vorab einen überdachten Ausweichort zu kennen und der Feierlocation frühzeitig Bescheid zu geben, damit dort alles bereit ist, falls ihr eher als geplant eintreffen müsst. Ein kurzer Blick auf die Wettervorhersage am Vortag erspart euch am Hochzeitstag selbst jede Unsicherheit.
Zeichnet sich andauerndes schlechtes Wetter schon vorher ab, lohnt sich außerdem ein Blick auf die Location selbst: Viele Rathäuser haben eine große Treppe im Inneren, die sich hervorragend für ein großes Gruppenfoto eignet, und auch in Kirchen lässt sich von der Empore oder einem umlaufenden hohen Gang aus oft ein wunderbares Bild der ganzen Gästeschar von oben machen. So seid ihr für den Ernstfall vorbereitet, ohne dass die Gratulation und das große Gruppenbild unter dem Wetter leiden müssen.
Eine andere Möglichkeit ist, die Gratulation bewußt an die Location zu verlegen. Hier stehen oft Häppchen und Sekt bereit, die Wartezeit ist damit für die Gäste erträglicher und ihr könnt euch für jeden einzelnen mehr Zeit nehmen. Dies muss allerdings wie zuvor beim Standesamt beschrieben offiziell angesagt werden, damit jeder Bescheid weiß.
Wieder andere sagen, dass den ganzen restlichen Tag Zeit für Gratulationen ist, egal wann, dann bildet sich keine Schlange und ihr könnt direkt und die Gästeschar eintauchen. In dem Fall verfolge ich euch die erste Zeit ganz dicht und setze mich erst später in die Menge ab, wenn ich das Gefühl habe, dass jetzt alle durch sind.
Sobald die ersten Gäste mit Umschlägen und kleinen Geschenken auf euch zukommen, habt ihr schnell alle Hände voll zu tun, buchstäblich, und genau die braucht ihr zum Umarmen. Deshalb lohnt sich ein kleiner Tisch in der Nähe, an dem eure Gäste Geschenke selbst ablegen können, am besten mit einer kleinen Box für Umschläge, damit nichts verloren geht. Auch euren Brautstrauß gebt ihr in dieser Zeit am besten ab, etwa an einen Trauzeugen, der sich um eine Vase kümmert (mit ganz wenig Wasser, damit sich die Bandumwicklung nicht vollsaugt und bei den anschließenden Paarbildern Spuren auf dem Kleid oder Anzug entstehen). Das Gleiche gilt für Sektgläser, die euch in dieser Zeit oft schon gereicht werden: Stoßt kurz miteinander an und stellt sie danach lieber wieder ab, denn auch sie sind bei den vielen Umarmungen nur im Weg. So habt ihr beide Hände frei für das, was jetzt zählt.


Wie lange die Gratulation dauert, hängt vor allem von eurer Gästezahl ab. Bei rund fünfzig Gästen könnt ihr mit etwa fünfundzwanzig Minuten rechnen, bei größeren Gesellschaften entsprechend mehr. Plant diese Zeit bewusst in euren Ablauf ein, statt sie zwischen zwei Programmpunkte zu quetschen. Wird die Zeit knapp, sieht man das später auf den Bildern: gehetzte Umarmungen statt echter Momente. Lieber etwas mehr Zeit einplanen, als am Ende zu hetzen.
Wenn der letzte Gast euch gedrückt hat, sind die meisten eurer Gäste bereits mit Sektgläsern oder Aperitifs ausgestattet und haben bereits auf euch angestoßen. Die Gläser klirren, die Unterhaltungen laufen bereits, und ihr merkt, wie sich langsam euer Puls beruhigt. Genau jetzt ist ein guter Moment für eine kurze Verschnaufpause, bevor der nächste Programmpunkt beginnt. Ihr habt es geschafft: Ihr seid ein Ehepaar geworden, aus zwei Familien eine, und alle, die euch wichtig sind, haben dies gerade mit euch erlebt und wollen das mit euch den Rest des Tages feiern.
Ihr beide, zusammen, für immer, und ein ganzer Kreis von Menschen, der sich wie wahnsinnig für euch freut.
Bewusst dicht beieinanderbleiben, damit die Menge euch nicht auseinander drängt
Einen kleinen Tisch für Geschenke mit einer Box für Umschläge bereitstellen, damit die Hände zum Umarmen frei sind
Brautstrauß und Sektglas kurz an Trauzeugen abgeben statt sie die ganze Zeit zu halten
Genug Zeit einplanen: bei rund 50 Gästen etwa 25 Minuten, bei größeren Gesellschaften entsprechend mehr
Bei Regen einen überdachten Ausweichort kennen und ggf. der Location frühzeitig Bescheid geben

Jetzt lasst uns herausfinden, wie wir eure ganz besondere Geschichte festhalten können. All die kleinen und großen Momente – wir verewigen gemeinsam eure Traumhochzeit.