
Gerade habe ich noch ein Gastportrait aufgenommen, ein spontanes Gelächter der Freunde festgehalten. Jetzt senke ich die Kamera, komme zu euch und ihr wisst: Jetzt kommt der Programmpunkt, den viele Brautpaare am meisten fürchten, weil das etwas ist, was man vorher nicht üben kann. Alle Konstellationen, die ihr euch fest vorgenommen habt, all die Menschen, die Familie und Freunde, die auf den Bildern nicht fehlen dürfen holen wir jetzt zusammen.
Ich bitte euch im Vorfeld darum, eine Liste zu machen, ganz einfach, damit euch selbst klar wird, was ihr wollt und welche Gruppenfotos zur Hochzeit euch wichtig sind. Diese Konstellationen, und der Erfahrung nach noch einige mehr, arbeiten wir jetzt im Schnelldurchlauf ab, denn keiner hat Lust auf stures, ewiges Posen. Also: Ihr schaut euch an, schaut mich an, redet miteinander, kommt auf mich zu, fertig, nächste Gruppe. Genau daraus entstehen freie, lockere Bilder, auf denen wirklich alle lachen.
Kaum ein anderer Teil der Hochzeitsreportage wird so oft unterschätzt wie dieser. Viele Paare denken bei ihrer Hochzeit zuerst an die Trauung, das Paarshooting, den ersten Tanz – Gruppenbilder rutschen gedanklich eher auf die Liste der lästigen Formalitäten. Dabei sind sie etwas ganz anderes: das visuelle Zeugnis, wer an eurem großen Tag dabei war. Wer aus welcher Ecke des Landes angereist ist, wer sich seit Jahren zum ersten Mal wiedergesehen hat, welche Menschen sich an diesem einen Nachmittag um euch versammelt haben.
Ich habe selbst schon Brautpaare erlebt, die im Nachhinein sagten: Das Gruppenfoto mit den Großeltern war am Ende das Bild, das sie am meisten berührt hat, mehr noch als so manches große Paarfoto. Weil es Menschen zeigt, die vielleicht nicht mehr lange dabei sein werden, in genau diesem Moment, an genau diesem Tag. Deshalb behandle ich Gruppenbilder nicht als notwendiges Übel zwischen zwei schönen Programmpunkten, sondern als eigenes, wichtiges Kapitel eurer Geschichte.

Alles beginnt mit eurer Liste. Schon Wochen vor der Hochzeit überlegt ihr euch gemeinsam, welche Konstellationen euch wichtig sind und schreibt sie auf. Nicht im Kopf behalten, sondern wirklich schwarz auf weiß aufschreiben. Diese Hochzeit-Gruppenfotos-Liste bekomme ich von euch, damit ich den Umfang kenne und ein bis zwei Personen, die die Leute kennen.
Ein Tipp aus der Erfahrung: Schreibt nicht nur „Familie der Braut“ oder „Freunde vom Bräutigam“ auf eure Liste, sondern möglichst konkret, wer genau dazugehört. Denn an eurem eigenen Hochzeitstag seid ihr mit ganz anderen Dingen beschäftigt, als euch zu erinnern, dass Cousine Lena unbedingt mit aufs Bild soll. Teilt die Liste ruhig in zwei Kategorien: die Konstellationen, die unbedingt sein müssen, und eine zweite Kategorie, die schön wären, wenn die Zeit reicht. So behalten wir auch bei einer langen Liste den Überblick, und wir können spontan entscheiden, ob wir weitermachen oder nicht, wenn es zeitlich lang dauert und irgendwo eng wird, ohne dass euch am Ende etwas wichtiges fehlt.
Aus vielen begleiteten Hochzeiten hat sich eine Art Grundlage heraus kristallisiert, die ich jedem Brautpaar als Ausgangspunkt mitgeben kann. Übernehmt sie nicht eins zu eins, durchdenkt sie und macht euer eigenes Ding daraus:
Die Eltern der Braut allein mit euch beiden
Ihr beide mit der Familie der Braut
Die Eltern des Bräutigams allein mit euch beiden
Ihr beide mit der Familie des Bräutigams
Ihr beide mit beiden Familien zusammen
Großeltern, wenn möglich mit den Enkeln zusammen
An der Stelle können sich die älteren Gäste dann wieder setzen.
Geschwister, jeweils mit und ohne Partner
Trauzeugen mit euch beiden gemeinsam und einzeln
Der komplette Freundeskreis
Einzelne Freundesgruppen, etwa vom Studium oder aus der Kindheit
Kolleginnen und Kollegen, falls anwesend
Ein Bild, das auf den meisten Listen fehlt, aber später gerne verschenkt wird: die Eltern ganz allein, ohne euch, ohne die restliche Familie. An diesem Tag stehen sie meist in der zweiten Reihe, hinter euch, und genau deshalb ist ein ruhiges Portrait nur von ihnen eine besondere Geste für sie und als Geschenk für später.

Der wichtigste organisatorische Tipp, den ich euch mitgeben kann: Bestimmt schon vorher jemanden, der die Liste am Hochzeitstag abarbeitet, am besten eine Trauzeugin oder ein Trauzeuge, der die Gäste kennt und laut genug ruft. Oder Geschwister, die die Familien kennen eignen sich auch gut. Diese Person sammelt die jeweils nächste und übernächste Gruppe schon ein, während ich noch die vorherige fotografiere, damit keine Wartezeit entsteht. Ihr selbst solltet an diesem Tag ganz sicher nicht selbst durch die Gästeschar laufen und nach Onkel Heinz suchen müssen. Dafür seid ihr an diesem Tag zu wichtig, und ehrlich gesagt würde euch das auch keinen Spaß machen.
Ob wir die Gruppenbilder entweder vor oder nach dem Paarshooting machen hängt bei mir vor allem von der Jahreszeit, der Wetterlage und der Location ab. Ist das Licht gerade günstig oder zieht Regen auf, nutze ich das Zeitfenster lieber sofort für die Gruppen, damit wir nicht später improvisieren müssen. Hat die Location einen großzügigen Raum können wir bei Regenwetter auch gerne zwei Stühle, ein Sofa oder eine Bank aufstellen und „run through picture“ spielen. Das gibt auch lockere Gruppenbilder im Innenraum und macht allen Spaß, die Gruppen bilden sich dabei meistens spontan. Dann würde ich das Paarshooting der Wetterlage anpassen, weil wir mit den Gruppenbildern unabhängig sind.
Bleibt das Wetter stabil, seid erst ihr beide dran – kurz für euch, bevor der Trubel mit den Gruppen los geht.

Hier unterscheide ich mich bewusst von dem, was viele von klassischen Gruppenfotos kennen: kein minutenlanges Aufstellen, kein „einer noch weiter nach links“, keine drei Minuten Warten, bis auch der letzte Blick in die Kamera geht. Stattdessen gilt bei mir: Männer-macht die Hosentaschen leer, schaut euch an, redet miteinander, schaut mich an, kommt auf mich zu, und fertig, die nächste Gruppe kommt schon dran. Dieses Tempo hat einen einfachen Grund: Sobald eine Gruppe zu lange stillstehen muss, wird das Lächeln steif, die Blicke wandern ab, und genau das sieht man später auf den Bildern. Im schnellen Wechsel dagegen bleibt die Stimmung locker, es wird gelacht, geblödelt, und ihr merkt kaum, wie die Zeit vergeht. Rechnet für eine überschaubare Liste mit etwa zwanzig bis dreißig Minuten, bei einer sehr großen Gästeschar und vielen Konstellationen entsprechend mehr.

Nicht jedes Gruppenbild muss klassisch aufgereiht aussehen. Wenn ihr einen Freundeskreis habt, der ohnehin für jeden Unsinn zu haben ist, dann nutzen wir das. Eine fliegende Braut, ein Superman-Bräutigam, das Brautpaar im Spiegel mit den Freunden drumherum, ein Wettrennen ums letzte Bier, fliegende Schuhe oder Sträuße in der Luft, alles ist möglich, was euch und mir gerade einfällt. Diese Bilder werden später garantiert diejenigen sein, über die am meisten gelacht wird, wenn ihr die Galerie gemeinsam mit euren Freunden anschaut. Aber ich muss dazu sagen: Ich zwinge das niemandem auf. Wenn so Aktionen nicht zu eurer Gesellschaft passen, dann ist das so, und dann sind Fotos der Gäste in gemütlicher Runde die bessere Wahl.
Nicht jede Familienkonstellation ist unkompliziert, und das ist völlig normal. Bei Patchwork-Familien lohnt es sich, vorher kurz zu besprechen, welche Zusammenstellungen euch wichtig sind und welche ihr lieber auslasst, damit am Tag selbst kein Unmut entsteht. Kinder sind bei Gruppenbildern sehr süß, aber unberechenbar. Hier ist es hilfreich, sie nicht zu lange stillhalten zu lassen und ihnen notfalls kurz vorher eine kleine Aufgabe zu geben, etwa Luftblasen machen, das lenkt sie ab und sorgt gleichzeitig für ein lebendiges Bild. Und wenn eure Gästeschar international ist, hilft es, die Ansagen kurz zu halten und notfalls mit Gesten statt langen Erklärungen zu arbeiten. Verständigung klappt bei Gruppenfotos oft besser über ein Lächeln als über viele Worte.


Für das große Gruppenbild braucht es vor allem eines: eine Location mit der richtigen Höhe, etwa eine Treppe, einen kleinen Hang oder eine Empore, von der aus ich alle gut ins Bild bekomme, ohne dass sich die hinteren Reihen gegenseitig verdecken. Gibt das die Location nicht her tut es auch eine Stehleiter für mich. Und die Gäste sollten mit dem Rücken zur Sonne stehen, damit sie die Augen nicht zusammen kneifen. Sprecht mich ruhig schon vorab an, wenn euch dieses Bild besonders wichtig ist, dann schauen wir uns diesbezüglich eure Location gemeinsam an. Dieses Foto mache ich am liebsten direkt vor dem Essen, denn dann kommen sowieso alle Gäste zusammen.
Bevor ihr es richtig gemerkt habt, ist die letzte Gruppe abgearbeitet, die Liste durchgestrichen, und ich senke die Kamera. Was bleibt, ist ein großer Ordner voller Bilder, auf denen niemand fehlt, der euch wichtig ist, und auf denen trotzdem niemand steif oder gequält wirkt. Jetzt wartet schon der nächste Programmpunkt auf euch: Drinnen ist gedeckt, die Kerzen brennen, und alle suchen und finden ihren Platz zur Dinner-Time.
Liste vorab erstellen, möglichst konkret mit Namen statt nur „Familie der Braut“
Liste in zwei Kategorien teilen: was unbedingt sein muss und was schön wäre, wenn Zeit bleibt
ein bis zwei Personen bestimmen (z. B. Trauzeugin oder Trauzeuge, Geschwister), die die Gruppen am Tag selbst einsammeln
Zeitpunkt hängt vom Wetter und Location ab
Für ein großes Gruppenfoto mit allen Gästen suchen wir eine Location mit erhöhtem Punkt (Treppe, Empore, Hang, zur Not auch eine Leiter)
Zeitrahmen realistisch einplanen: 20 bis 30 Minuten für eine überschaubare Liste

Jetzt lasst uns herausfinden, wie wir eure ganz besondere Geschichte festhalten können. All die kleinen und großen Momente – wir verewigen gemeinsam eure Traumhochzeit.