
Drinnen ist längst gedeckt, die Kerzen brennen schon eine Weile, wenn wir das letzte Gruppenbild machen. Jetzt strömen eure Gäste langsam hinein, suchen den Sitzplan, das eigene Namenskärtchen, findet den Platz neben der besten Freundin oder dem Onkel, den man seit Jahren nicht gesehen hat. Nach einem Tag voller Trubel, Trauung, Gratulation und Gruppenfotos kommen jetzt endlich wieder alle an einem Ort zusammen. Für mich beginnt hier ein ruhigeres, aber nicht weniger wichtiges Kapitel eurer Reportage.
Die Tafel und den gesamten Raum fotografiere ich schon, bevor überhaupt jemand Platz genommen hat. Meistens direkt vor dem Gruppenbild. Die Tischdekoration, die ihr euch monatelang überlegt habt, die Kerzen, das Gedeck, die kleinen Namenskärtchen, all das verschwindet spätestens nach den ersten zehn Minuten unter Weingläsern, Servietten und Ellebogen. Genau deshalb halte ich diesen einen Moment fest, in dem alles noch so aussieht, wie ihr es mit eurer Location geplant habt. Für euch selbst ist das oft die einzige Gelegenheit, eure eigene Tischdekoration in Ruhe zu sehen, denn sobald der Saal voll ist, seid ihr mit ganz anderen Dingen beschäftigt.
Kurz darauf füllt sich also der Raum: Stühle rücken, Karten werden gesucht, irgendwo ein überraschtes Lachen, weil zwei alte Bekannte nebeneinander sitzen. Genau dieses kurze Durcheinander vor dem ersten Gang halte ich beiläufig fest, bevor sich alles setzt und der eigentliche Abend beginnt.

Kaum ein Programmpunkt des Abends berührt so sehr wie die Hochzeitsreden. Sei es der Vater, der mit zitternder Stimme beginnt, die Trauzeugin, die eine Anekdote erzählt, die die meisten noch nicht kennen oder der Bruder, der zwischen zwei Gängen ans Mikrofon tritt und mit einem Satz beginnt, den er sich offensichtlich stundenlang zurechtgelegt hat. Genau in diesen Minuten entstehen wieder Tränen, diesmal nicht vor Aufregung wie am Morgen, sondern aus echter Rührung darüber, was Menschen füreinander empfinden und ausdrücken können.
Ich positioniere mich für diese Momente meist seitlich, so, dass ich sowohl die sprechende Person als auch eure Reaktion gleichzeitig im Blick habe. Denn genauso wichtig wie die Rede selbst ist das, was in eurem Gesicht passiert, während ihr zuhört. Ein Tipp aus vielen begleiteten Hochzeiten: Wenn ihr wisst, dass mehrere Reden geplant sind, sprecht kurz ab, dass sie nicht alle direkt hintereinander gehalten werden, sondern verteilt zwischen den Gängen. So bleibt die Stimmung über den ganzen Abend lebendig, ohne dass ein einziger langer Redeblock entsteht. Natürlich kann diese Orga auch einer der Trauzeugen übernehmen. Aus diesem Grund kontaktiere ich diese 1-2 Tage vor der Hochzeit, dann bin ich auf dem laufenden.
Beim eigentlichen Essen mache ich eine kleine Pause, immer mit einem Ohr auf sich verändernde Geräusche bedacht, denn dann beginnt die nächste Rede. Was ich bewusst nicht mache: Gäste beim Essen, beim Trinken oder beim Rauchen ablichten, außer es ist eine Herausforderung oder etwas ähnliches und gehört zu eurem Tag dazu. Ihr und eure Gäste sollt in Ruhe essen können, ohne das Gefühl zu haben, ständig beobachtet zu werden. Diese Pause tut auch mir gut, denn nach einem Tag voller konzentrierter Aufmerksamkeit ist genau das der Moment, in dem ich selbst kurz durchatmen kann, bevor der Abend in seinen nächsten, wieder aktiveren Teil übergeht.


Häufig nutzen eure Trauzeugen oder Freunde die Zeit zwischen den Gängen für kleine Spiele, um euch als Brautpaar auf die Schippe zu nehmen, oder einfach nur, um für Stimmung zu sorgen. Ob eine Fragerunde darüber, wer von euch beiden besser kochen kann, ein kleines Quiz über eure Beziehung oder eine improvisierte Aufgabe, die ihr gemeinsam lösen müsst: Genau diese unbeschwerten Minuten sind es, bei denen am lautesten gelacht wird. Ich brauche hier keine Regie, nur den richtigen Moment, um den Ausdruck in euren Gesichtern einzufangen, wenn eine Geschichte besonders unerwartet für euch kommt.
Mitten in diesem Abend nehme ich mir gerne einen kurzen Moment, um mir noch einmal die Ringe geben zu lassen. Nach der Trauung sitzen sie meist schon den ganzen Tag an eurer Hand, ohne dass jemand noch bewusst hinschaut. Beim Dinner, wenn ohnehin gerade etwas Ruhe eingekehrt ist, nutze ich die Gelegenheit für ein paar außergewöhnliche Ringbilder, mit dem warmen Kerzenlicht der Tafel im Hintergrund, Blüten oder Holzstrukturen, Eiswürfel oder Nebeleffekten. Es sind kleine Bilder, die im Trubel des Tages leicht untergehen würden, später aber zu den Lieblingsdetails vieler Paare gehören.


Ein praktischer Hinweis für eure Planung: Wie viel Zeit ihr für das Dinner einplanen solltet, hängt stark von der Art des Essens ab. Bei einem Buffet könnt ihr mit etwa anderthalb Stunden rechnen, bei einem servierten Menü mit mehreren Gängen eher zwei bis zweieinhalb Stunden. Legt Reden möglichst zwischen die Gänge statt an den Anfang oder das Ende. Sprecht außerdem mit der Location ab, wann die Küche mit dem nächsten Gang starten kann, damit genug Puffer für Reden und kleine Programmpunkte bleibt.
Irgendwann sind die Teller leer und der letzte Gang ist abgeräumt, die Gespräche werden lauter und lockerer. Draußen verändert sich langsam das Licht, es wird golden und weich, genau die Zeit, in der man das Licht fotografisch nicht nachstellen kann. Dann komme ich zu euch und schlage vor, gemeinsam für ein paar Minuten nach draußen zu gehen. Denn genau jetzt beginnt das nächste Kapitel eures Tages: das Sunset-Shooting im goldenen Licht des Sonnenuntergangs.
Reden über den Abend verteilt zwischen den Gängen einplanen, statt sie an den Anfang oder das Ende zu legen
Redner oder Trauzeugen informieren, dass sich Reden nicht direkt hintereinander stapeln sollen
Zeit realistisch einplanen: Buffet etwa 1,5 Stunden, mehrgängiges Menü eher 2 bis 2,5 Stunden
Sich mit der Location abstimmen, wann die Küche mit dem nächsten Gang starten kann
Die Ringe zwischendurch noch einmal für außergewöhnliche Detailaufnahmen abgeben

Jetzt lasst uns herausfinden, wie wir eure ganz besondere Geschichte festhalten können. All die kleinen und großen Momente – wir verewigen gemeinsam eure Traumhochzeit.